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Baue so, dass du in 25 Jahren wieder gleich entscheiden würdest

Publiziert am 26.03.2013 von Urs Hausmann, Berater bei der Wüest & Partner AG
free lunch

Meinung «There’s no such thing as a free lunch». Nichts ist gratis! Diese simple, aber dennoch unumstössliche Erkenntnis wurde spätestens nach Milton Friedman’s gleichnamigen Buch in den Wirtschaftswissenschaften populär. Und sie gilt auch für jede Art des Bauens, insbesondere für nachhaltiges Bauen.

Jeder Bauherr – sei es eine Privatperson oder eine Wohnbaugenossenschaft, sei es die öffentliche Hand – muss bei Bauprojekten tausende von Fragen beantworten, um die richtigen Entscheidungen zu treffen: Soll neu- oder umgebaut werden? Wo soll wann welche Art von Immobilie in welcher Form realisiert werden? Dabei ist eine Entscheidung für A immer eine Entscheidung gegen B. Weiter resultiert D, weil früher C gewählt wurde.

Die Entscheidungen werden immer unter Unsicherheit gefällt. Erst in Zukunft wird sich zeigen, ob bei Bauprojekten die richtigen Entscheidungen getroffen und ob die «nachhaltigen» Theorien zweckmässig umgesetzt wurden. Rückblickend betrachtet ist man fast immer klüger. Dafür wird nicht selten das vielzitierte Lehrgeld bezahlt. Friedman grüsst hier erstmals.

Nachhaltiges Bauen findet im Bermudadreieck von wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Ansprüchen statt, was zwangsläufig zu vielseitigen Zielkonflikten führt. Es steht also nicht allein die Frage des Geldes im Fokus.

Es geht auch nicht darum, ob nachhaltiges Bauen im engeren Sinn zu teuer sei. Und zudem zielt auch die rhetorische Frage, ob wir uns nachhaltiges Bauen leisten wollen oder können, ins Leere. Denn die Zeche wird immer – mehr oder weniger freiwillig – bezahlt. Fraglich ist nur von wem und zu welchem Zeitpunkt. Staatliche Subventionen an säumige Immobilieneigentümer als Anreize für energetische Sanierungen sind dazu ein klassisches Paradebeispiel. Dass diese Mittel woanders «fehlen», versteht sich von selbst. Bausünden bleiben also nie ungesühnt. Friedman hätte uns dies vor dem Frühstück vorhergesagt.

So bleibt eine wirklich spannende Frage übrig: Aufgrund welcher Überlegungen oder Kriterien lassen wir uns im Allgemeinen und bei Zielkonflikten im Besonderen leiten? Unsere Präferenzsysteme basieren auf gefestigten oder auch auf diffusen Wertvorstellungen. Hier ist der Hebel anzusetzen. Das gilt sowohl für individuelle als auch für kollektive Entscheidungen. Nachhaltig baut, wer sorgfältig evaluiert und heute davon überzeugt ist, unter Einbezug aller und nicht nur der eigenen, zukünftig erwarteten Kosten, die bestmöglichen Entscheidungen getroffen zu haben. Und mit Friedman gesprochen, wäre es wünschenswert, wenn ab und an die Lern- und Entscheidungsprozesse den wahren Preisen unterliegen würden.

Urs Hausmann

Urs Hausmann

Dr. oec. HSG Urs Hausmann arbeitet als Berater bei der Wüest & Partner AG in Zürich. Seine Arbeitsschwerpunkte bilden Marktstudien zum Schweizer Bau- und Immobilienmarkt sowie die Mitarbeit an der halbjährlich erscheinenden Publikation «Immo-Monitoring».

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