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Die Vorteile des Landlebens in die Stadt holen, die Nachteile draussen lassen

Publiziert am 12.02.2013 von Thomas Kessler, Leiter Kantons- und Stadtentwicklung BS
Davidsboden Window

Meinung Eine Ursache der Zersiedelung ist der Traum vom Leben auf dem Land. Die Bedürfnisse, welche diesem Traum zugrunde liegen, sind hauptsächlich Ruhe, Platz, ein eigener Garten, Privatsphäre und für Viele auch eine gute Aussicht und die Nähe zur Natur. Für Familien spielt insbesondere ein kinderfreundliches Umfeld eine wichtige Rolle. Genau diese Qualitäten werden jetzt von den Städten im Rahmen der nachhaltigen Entwicklung gezielt gefördert.

Neue Wohnformen (Beitrag vom 29. August 2012), verkehrsberuhigte Zonen, grüne Oasen, Dachterassen, schöne Innenhöfe wie auch Wohntürme mit guter Aussicht decken diese Bedürfnisse ab und tragen zur Attraktivität der Stadt als Lebensraum bei (Beispiel im Bild: Siedlung Davidsboden: Die grüne Oase mitten in der Stadt ist als Treffpunkt wichtiger Bestandteil des Zusammenlebens). Zusätzlich bietet die Stadt – im Gegensatz zum Leben auf dem Land - mit ihrer Kleinräumigkeit kurze (zeitsparende) Wege, zahlreiche Infrastrukturen wie zum Beispiel für die Kinderbetreuung und ein vielfältiges Einkaufs-, Freizeit- und Kulturangebot.

Ist diese grosse Vielfalt in unmittelbarer Nähe gut durch öffentliche Verkehrsmittel mit der umliegenden Natur erschlossen, so steht die Stadt dem Traum vom Wohnen auf dem Land nicht nach – ausser in den Köpfen.

Ähnlich wie beim Konsum wird ein Umdenken stattfinden müssen. Muss man einen Garten oder einen Hobbyraum unbedingt besitzen oder einfach nutzen können? Das Leben in der Stadt ist wieder chic, was beispielsweise der steigende Trend der Bevölkerungsentwicklung im Kanton Basel-Stadt zeigt. Die Luftqualität wird immer besser, Verdichtung findet dank Mehrwertabgabe nur bei gleichzeitiger Verbesserung der freiräumlichen Qualität statt, das Velowegnetz wird ausgebaut, die Gesamtverkehrsleistung des privaten Motorfahrzeugverkehrs auf den Stadtstrassen wird reduziert, mehr Begegnunszonen entstehen. Mit dem Leitfaden «Auf Augenhöhe 1.20m» – Quartierentwicklung aus Kindersicht - wird die Kinderfreundlichkeit gefördert. Die nachhaltige Entwicklung und geschickte Verdichtung ist ein stetiger Prozess unter Einbezug der Bevölkerung, der die Lebensqualität steigert. Der Traum vom Leben auf dem Land weicht immer mehr der Begeisterung über das attraktive Stadtleben. So können wir der nächsten Generation eine Schweiz übergeben, die noch freie Wiesen hat.

Thomas Kessler

Thomas Kessler

Thomas Kessler war bis 1987 Agronom, Unternehmer und Berater in Entwicklung, Landwirtschaft und der Drogenforschung. Von 1987 bis 1991 amtete er als Kantonsrat im Kanton Zürich in der Justizverwaltungskommission. Von 1991 bis 1998 war er Drogendelegierter des Kanton Basel-Stadt und Leiter der Präventionsstelle im Justizdepartement. Von 1998 bis 2009 war Thomas Kessler als Delegierter für Migrations- und Integrationsfragen und als Leiter der Integrations- und Antidiskriminierungsstelle im Polizei- und Militärdepartement tätig. Seit 2009 ist er Leiter der Kantons- und Stadtentwicklung im Präsidialdepartement und Mitglied der Eidgenössischen Kommissionen Drogenfragen und Kinder- und Jugendfragen.

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Kommentare

  • Andreas Kermann sagte:
    12.02.2013 12:34
    Das Genossenschaftsquartier zwischen Hegenheimer und Bourgfelderstrasse würde sich sehr schnell zum grünen Paradies umwandeln lassen, wenn man es für den motorisierten Individualverkehr sperren würde.
    Da ich Mitglied der Genossenschaft Oltingerstrasse bin, habe ich diese Idee eines Familienfreundlichen Quartiers als grüne Oase jeden Tag vor Augen!