Blog

Landschaft schützen heisst Städte fördern

Publiziert am 12.12.2012 von Frank Zierau, Gründungsmitglied Architektengruppe Krokodil
Zuwanderung Zürich Window

Meinung Einige fordern einen radikalen Stopp der Zuwanderung, als ob diese die Schuld an den ungelösten raumplanerischen Problemen tragen würde. Der eigentlich naheliegende Lösungsansatz wird aber nicht erkannt und heisst ganz einfach: Stadt.

Wenn nämlich das Siedlungsgebiet wirklich dicht, nämlich Stadt wäre, könnte die umliegende Landschaft von Landverschleiss und Siedlungsdruck entlastet werden. Dafür braucht es allerdings eine veränderte Grundhaltung gegenüber einer urbanen Lebensform. Denn nach wie vor reagieren viele reflexartig gegen mehr Dichte und Stadtwachstum: Stadt, ja sicher, aber nicht bei uns!

Das Resultat dieser antiurbanen Grundhaltung ist der Wunsch nach dem Wohnen auf dem Land mit gleichzeitigem Arbeitsort in der Stadt. Die Stadtflucht endet jedoch für die meisten in der stetig wachsenden Agglomeration. Denn je intensiver die Landschaft für den Traum vom Leben auf dem Land genutzt wird, desto schneller frisst dieser Traum sein eigenes Ziel, nämlich die Landschaft. Der Schutz der Landschaft lässt sich nicht allein durch Einschränkungen und Verbote erzwingen. Erst wenn urbane Lebensformen sich als wünschenswert durchsetzen, bekommt die Landschaft eine reale Chance. Wer die Landschaft liebt, muss also auch ihr Gegenstück lieben: die Stadt!

Schweizweit etablierte Flächentransfers bilden den Schlüssel zur langfristigen Sicherung unserer Landschaft. Schon heute ist der Grundsatz im Raumplanungsgesetz des Bundes verankert. Seine Umsetzung wird indessen von den Kantonen kaum vorangetrieben. Akteure aus Politik, Wirtschaft und Recht sind daher gefordert, konkrete und tragfähige Werkzeuge zu schaffen und anzuwenden. Die Implementierung eines schweizweiten Flächentransfermodells ist ein Gebot der Stunde! Gemäss den Vorgaben eines solchen Modells wird das bestehende Recht, an einem bestimmten Ort zu bauen, an andere Grundeigentümer an einem anderen Ort übertragen.

Geschossflächen-Transfers sind daher das geeignete Instrument, um gefährdete Landschaften zu bewahren und an sinnvollen Orten qualitätvolle Siedlungskonzentrationen zu ermöglichen.

Das, was wir, die Architektengruppe Krokodil, für wünschbar halten, haben wir in unserem Manifest „Glatt – eine Stadt im Werden“ versucht, so nah wie möglich am Realisierbaren zu verorten – im Wissen darum, dass doch alles ganz anders kommt. Letztlich ist die Wahl der Dichte auch eine moralische Frage: Nur wo wirklich dicht gebaut wird, erscheint es uns verantwortbar, Landschaft zu opfern, damit anderswo entsprechend mehr unbebautes Land vor der scheinbar unaufhaltsam fortschreitenden Zersiedelung bewahrt wird.

Wirft man einen Blick 50 Jahre zurück und vergleicht die städtebauliche Diskussion um 1960 mit der heutigen, wird klar, wie bedeutsam einige wenige Entscheidungen für die Raumentwicklung sein können. In unserem Vorschlag sind für die Etablierung der neuen Stadt Glatt 50 Jahre vorgesehen. Und wie bei jeder Stadtgründung sind wir uns im Klaren, dass dieser Vorschlag nur den Anfang darstellt.

Frank Zierau

Frank Zierau

Frank Zierau ist Dipl. Ing. Architekt, Gründungsmitglied der Architektengruppe Krokodil und seit 1997 als selbständiger Architekt in Zürich tätig. Er ist Mitglied des Bundes Schweizer Architekten (BSA), Mitglied der SIA-Kommission für Wettbewerbe und Studienaufträge und seit 2011 Dozent im Bachelorstudium Architektur an der ZHAW in Winterthur.

Veröffentlicht unter:

Kommentar verfassen