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Nachhaltigkeit und Nachfragepräferenzen

Publiziert am 15.10.2012 von Andreas Ammann, Vorsitzender der Geschäftsleitung Wüest & Partner
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Meinung Im Zusammenhang mit Nachhaltigkeit und Immobilien wird viel über Energie und Ökologie gesprochen, über neue Bautechniken und umweltfreundliche Materialien. Auch interessiert die Frage sehr, was Nachhaltigkeit für einen Einfluss auf die Wirtschaftlichkeit einer Immobilie hat; beispielsweise ob Minergie-Gebäude höhere Verkaufspreise erzielen?

Mit Fokus auf energetische, ökologische und finanzielle Aspekte bleiben die Bedürfnisse der Nutzer und Bewohner von Gebäuden teilweise im Hintergrund. Dabei ist es letztlich so, dass Bauten insbesondere nachgefragt werden, wenn sie den heutigen und zukünftigen Bedürfnissen der Nutzer entsprechen. Auch sind die gesellschaftlichen Aspekte eine der drei Hauptdimensionen der Nachhaltigkeit (Gesellschaft – Wirtschaft – Umwelt).

Schon vor dem Aufkommen der heutigen Nachhaltigkeitsdiskussion hat Wüest & Partner in Kooperation mit der NZZ begonnen, die Nachfragepräferenzen beim Wohnen periodisch und systematisch zu erheben. Die Ergebnisse werden alle zwei Jahre im «Immo-Barometer» publiziert. Dabei fällt auf, dass unter den Nachfragepräferenzen auch verschiedene Faktoren zu finden sind, die in der Nachhaltigkeitsdiskussion eine hohe Bedeutung haben.

Vorweg ist festzuhalten, dass die Wohnzufriedenheit insgesamt sehr hoch ist. Bei genauerer Betrachtung zeigt sich aber, dass die Zufriedenheit bei den Mietern wesentlich geringer ist als bei den Eigentümern.

Zudem ist bei umzugswilligen Personen die Unzufriedenheit mit der Wohnung der wichtigste Grund für einen Wechsel, vor beispielsweise beruflichen oder familiären Gründen. Ebenfalls aufschlussreich ist ein Blick auf die Kriterien, welche für die Wahl einer neuen Wohnung ausschlaggebend sind. Eine sehr hohe Bedeutung beigemessen wird dabei «Licht und Sonne», «Platz und Geräumigkeit» sowie «Balkon und Sitzplatz» - dies alles Kriterien, die besonders die Gebäudestruktur betreffen, weniger die Bautechnik. Im Hinblick auf die Nachhaltigkeit im Sinne der langfristigen Vermietbarkeit ist also gerade solchen strukturellen Dispositionen gebührend Beachtung zu schenken. Wärme- und Lärmisolation sind ebenfalls in der vorderen Hälfte der untersuchten Kriterien zu finden, sie werden aber eher als «auch noch wichtig» und weniger als «ausschlaggebend» bezeichnet. Bei den Lagefaktoren ist die Nähe zu einem öffentlichen Verkehrsmittel das ausschlaggebenste Kriterium schlechthin! Viel weniger Gewicht wird hingegen den Mobilfunkantennen beigemessen.

Da sich die Präferenz zudem von den Mietwohnungen zum Wohneigentum verschiebt, tun insbesondere die Eigentümer und Anbieter von Mietwohnungen gut daran, Nachhaltigkeit auch im Sinne der langfristigen Ausrichtung auf die Nachfragepräferenzen zu verstehen und zu optimieren.

Andreas Ammann

Andreas Ammann

Nach dem Studium der Architektur, der Betriebswirtschaft und des Managements erlangte Andreas Ammann, dipl. Architekt ETH/SIA, den eidgenössischen Fachausweis zum Immobilienschätzer. Heute ist er als Vorsitzender der Geschäftsleitung bei Wüest & Partner tätig. Neben verschiedenen Lehraufträgen hält er Seminare und Vorträge zu den Themen Bewertung und Portfoliomanagement.

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