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Was haben die Theorien von Karl Marx mit Bauen am Hut?

Publiziert am 31.07.2012 von Urs Hausmann, Berater bei der Wüest & Partner AG
Arbeitskraft Window

Meinung1867 publizierte Karl Marx den ersten Band seines epochalen Werks «Das Kapital». Eine zentrale Rolle kommt darin der Arbeitswertlehre zu. Danach bestimmt – vereinfacht gesagt – die geleistete Arbeit den Wert der produzierten Güter und Dienstleistungen. Folglich wäre nur der Produktionsfaktor «Arbeit» für die generierte Wertschöpfung verantwortlich.

Auch wenn Karl Marx’ Theorien jahrzehntelange Kontroversen auslösten, muss ihm zugestanden werden, dass er die strategische Bedeutung des Produktionsfaktors «Arbeit» herauskristallisiert hat. Dies ist gerade in der heutigen Zeit wieder relevant, werden doch volkswirtschaftliche Diskussionen von Themen wie Mangel an qualifizierten Arbeitskräften, Kampf um Talente, Lohnstückkosten oder Arbeitsproduktivität dominiert. Auch in der Baubranche wird der Faktor «Arbeit» noch bedeutender werden. Dies insbesondere aus drei Gründen:

Erstens ist es für die volks- und betriebswirtschaftliche Wertschöpfung massgebend, wo die Arbeitsstunden investiert werden. Dabei richtet sich das Augenmerk darauf, was gebaut wird. Zudem spielt die Art und Weise, wie neue Bauwerke erstellt und bestehende Immobilien umgebaut oder renoviert werden, eine Rolle. Arbeits- oder know-how-intensive Tätigkeiten oder Vorleistungen behaupten sich am Markt nur dann, wenn sie für den Besteller der Leistungen einen Mehrwert bringen und sich seine Investitionsrechnung verbessert.

Zweitens wird die relative Wettbewerbsfähigkeit neuer Gebäudesysteme vom Faktor Arbeit mitbestimmt.

So hängt es nicht nur von der Entwicklung der Energie- oder Rohstoffkosten ab, ob sich alternative Heiz- und Energiesystemen durchsetzen, sondern auch von den Arbeitskosten von der Konzeption über die Produktion und Installation bis hin zum operativen Betrieb.

Reduzieren sich die Preise für Solaranlagen oder nimmt deren Wirkungsgrad zu, verbessert sich deren Wettbewerbsfähigkeit nur dann, wenn die erwarteten zukünftigen Arbeitskosten (z. B. für deren Installation) nicht gleichzeitig überproportional zunehmen.

Drittens zeichnet sich seit geraumer Zeit ein Trend hin zu Gebäuden mit einem erhöhten Installationsgrad ab. Neben den zusätzlichen materiellen Unterhaltskosten gilt es, die damit verbundenen zusätzlichen arbeitsbezogenen Leistungen – zum Beispiel für Wartungs- und Reparaturarbeiten – gebührend über die gesamte Investitionsdauer zu berücksichtigen.

Was für moderne Volkswirtschaften im Allgemeinen zutrifft, gilt auch das Bauen in der Schweiz im Besonderen. Die Bedeutung des Produktionsfaktors «Arbeit» wird in den einschlägigen Wertschöpfungsketten in Zukunft nicht ab-, sondern in jeder Beziehung zunehmen.
Urs Hausmann

Urs Hausmann

Dr. oec. HSG Urs Hausmann arbeitet als Berater bei der Wüest & Partner AG in Zürich. Seine Arbeitsschwerpunkte bilden Marktstudien zum Schweizer Bau- und Immobilienmarkt sowie die Mitarbeit an der halbjährlich erscheinenden Publikation «Immo-Monitoring».

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