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Gebäudeintegration der Photovoltaik – Massnahmen in Forschung und Bildung

Publiziert am 17.07.2012 von Stefan Nowak, Programmleiter Photovoltaik Bundesamt für Energie BFE
PV Integration Window

Meinung Die Schweiz hat eine lange Tradition in der Gebäudeintegration der Photovoltaik. Vor 20 Jahren war unser Land dank den Initiativen früher Pioniere und dem Programm Energie 2000 weltweit führend auf diesem Gebiet. Viele wegweisende Ideen wurden formuliert, Produkte entwickelt und Anlagen realisiert. Nur: Es war zu früh für eine breite Umsetzung dieser Lösungen: die Preise waren zu hoch, eine konsequente Förderung fehlte und es blieb häufig bei Einzelobjekten.

Heute stehen wir vor einer ganz anderen Ausgangssituation: Die Preise für Photovoltaik-Module sind so weit gefallen, dass Solarstrom kaum mehr kostet als der Strom aus der Steckdose und eine weitere Kostenreduktion darf erwartet werden. Der Markt hat sich weltweit rasant entwickelt, der Wettbewerb hat deutlich zugenommen und das enorme Potenzial der Photovoltaik gilt heute als allgemein anerkannt. Mit dem geplanten Ausstieg der Schweiz aus der Kernenergie kann die Photovoltaik nicht nur einen wesentlichen Beitrag zur künftigen Stromversorgung leisten, nein, sie muss dies auch tun. Und: In der Schweiz wird die Photovoltaik ihren Beitrag mehrheitlich auf Gebäuden (Dächer und Fassaden) und der weiteren bebauten Umgebung leisten müssen.

Sollen dereinst 20% des Schweizer Stroms durch Photovoltaik abgedeckt werden, wie dies der Fachverband Swissolar fordert, so bedeutet dies einen enormen Zubau auf bestehenden und neuen Bauten. Die Schweiz sollte sich auf einen massiven Ausbau der gebäudeintegrierten Photovoltaik vorbereiten und entsprechende Massnahmen treffen.

Mit neuen Ansätzen und Technologien lassen sich noch bedeutende Fortschritte in der Gebäudeintegration der Photovoltaik erreichen, sei dies in der Synergie mit weiteren Gebäudekomponenten und –technologien, der Form- und Farbgebung oder als Design-Element. Damit vielversprechende Ansätze auch industriell umgesetzt und verbreitet werden, ist eine verstärkte Zusammenarbeit verschiedener Fachbereiche unabdingbar, insbesondere zwischen der Photovoltaik-Industrie, der Gebäude-Industrie und der Architektur. Hohe Funktionalität, Ästhetik und Qualität sind entscheidend für den Erfolg.

Nebst qualitativ hochstehenden Produkten muss sichergestellt werden, dass auch genügend Fachkräfte vorhanden sind, um den erwarteten Ausbau zu vollziehen. Auch hier gilt es, die fachübergreifende Aus- und Weiterbildung zu verstärken und das Systemdenken zu fördern.

Die Photovoltaik bietet heute einmalige und attraktive Chancen für den Technologiestandort und Werkplatz Schweiz, für die Volkswirtschaft und für eine nachhaltige Energieversorgung. Eine verstärkte Investition in Forschung und Bildung, von öffentlicher und privater Seite, wird nachhaltige Wirkungen zeigen – ganz nach dem Motto «Wer sät, wird ernten»!

Stefan Nowak

Stefan Nowak

Dr. Stefan Nowak leitet im Auftrag des Bundesamtes für Energie das Schweizer Forschungsprogramm Photovoltaik. Energiethemen ziehen sich wie ein roter Faden durch die Biografie des promovierten Physikers. Nebst der Forschung hat er sich zunehmend mit Themen wie Technologiemanagement, Strategieentwicklung und Kommunikation auseinandergesetzt. Dr. Stefan Nowak nimmt leitende Funktionen in verschiedenen internationalen Netzwerken zur Photovoltaik wahr. Er ist zudem Geschäftsführer der NET Nowak Energie & Technologie AG.

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