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Reduktion von Baumängeln

Publiziert am 11.05.2012 von Sacha Menz, Vorsteher des Departements Architektur an der ETH Zürich
Baumängel Window

Meinung Jeder Akteur der Schweizer Bauwirtschaft kennt Baumängel, wie Risse im Putz, Ausblühungen oder eindringendes Wasser. Die Professur für Architektur und Bauprozess der ETH Zürich setzt sich unter anderem gezielt für die Schweizer Bauwirtschaft ein. Zur Zeit wird ein Forschungsprojekt bearbeitet, das einen ersten Schritt in der Bauschadensforschung der Schweiz darstellt.

Ziel ist es, die Ursachen von Baumängeln im Planungs- und Ausführungsprozess zu erforschen und Präventionsstrategien zu entwickeln. Die Auswertung hunderter Gutachten ergab, dass Sachverständige in 60% der Fälle zu Baumängeln gerufen werden, die im Zusammenhang mit der Gebäudehülle und Wasser stehen. Die betroffenen Gebäudeelemente sind Dach, Balkon, Aussenwand, Fenster und erdberührte Abdichtung. Das eindringende Wasser führt zur Reduktion oder dem abrupten Ende der technischen Lebensdauer des Gebäudeelements. Gemäss Richtwert, sollten bei grosser Beanspruchung (ohne Mängeleinwirkung) Dächer und Fenster 30 Jahre sowie der Rohbau 100 Jahre gebrauchstauglich sein. Die Reduktion der technischen Lebensdauer, beziehungsweise die Notwendigkeit der sofortigen Instandsetzung der betroffenen Gebäudeelemente, führt bei den Beteiligten zu einem finanziellen Schaden.

Baumängel, die bei der Erstellung eines Gebäudes und am Anfang des Lebenszyklus die technische Lebensdauer von Gebäudeelementen reduzieren, sind nicht nachhaltig, da nach Duden nachhaltig «sich für länger stark auswirkend» bedeutet.

Bisherige Erkenntnisse zeigen, dass zur Reduktion von Baumängeln und zur Verbesserung der Nachhaltigkeit eine breite, konsequente Aus- und Weiterbildung aller Beteiligten notwendig ist. Weiterhin müssen Auftraggeber Entscheidungen rechtzeitig treffen, sorgfältige Vergabegespräche geführt, Ausführungs-/Detailpläne geprüft sowie die Forschung an Bautechnologien, wie Materialien und Prozesse, gefördert werden.

Im Rahmen der offiziellen Eröffnung der Swissbau 2012 hat Sacha Menz ein Videointerview zur Baumängelstudie an der ETH Zürich gegeben und eine Präsentation zur Studie gehalten. Das Videointerview sowie den Live-Stream der Präsentation finden Sie im Eventreport zum Anlass.

Sacha Menz

Sacha Menz

Sacha Menz ist seit dem 1. Oktober 2004 ordentlicher Professor für Architektur und Bauprozess am Institut für Technologie in der Architektur an der ETH Zürich und seit 2011 Vorsteher des Departements Architektur der ETH Zürich. Seit 1997 ist er Mitinhaber des Architekturbüros sam architekten und Partner AG.

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