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Herausforderungen für die Schweizer Immobilienwirtschaft

Publiziert am 13.05.2012 von Andreas Ammann, Vorsitzender der Geschäftsleitung Wüest & Partner
Wohnungsnutzung Window

Meinung Die Schweizer Immobilienwirtschaft hat gute Jahre hinter sich. Die Bautätigkeit war hoch, die Nachfrage nach Immobilien ebenso. Auch die kurzfristigen Perspektiven erscheinen grundsätzlich verheissungsvoll. Doch trotz dieser Entwicklung wird es an strukturellen Herausforderungen in der Zukunft nicht mangeln.

Diese bestehen auf verschiedensten Ebenen:

1. Politische und planerische Entscheide: Durch sie soll ein wirtschaftliches Wachstum ermöglicht werden, ohne dabei die nachhaltige Entwicklung der Landschaft und der Lebensräume zu vernachlässigen (Stichworte Zersiedelung und Zweitwohnungsinitiative).

2. Energieverbrauch und CO2-Ausstoss: Sowohl die Bauwirtschaft als auch bestehende Gebäude sind für einen wesentlichen Anteil des Energieverbrauchs und des CO2-Ausstosses verantwortlich. Zwar wurden diesbezügliche Vorschriften laufend verschärft und führten bei den Neubauten zu deutlichen Fortschritten. Jedoch ist der Altbau deutlich im Rückstand. Da die Neubauquote in der Schweiz nur rund ein Prozent beträgt, ist der Umgang mit dem Bestand ein Schlüsselfaktor. 80 Prozent der Wohnungen in der Schweiz wurden vor 1990 erstellt, rund 55 Prozent gar vor 1970. Für solche bestehende Bauten sind gezielte und differenzierte Konzepte gefragt.

3. Alterung und Individualisierung: Auch wenn in der öffentlichen Diskussion oft die Familienwohnung das Mass aller Dinge ist, leben nur in rund 20 Prozent aller Haushalte in der Schweiz vier oder mehr Personen. Dagegen lebt heute in mehr als einem Drittel aller Haushalte lediglich 1 Person. Trotzdem verfügen rund 54 Prozent aller Wohnungen über vier oder mehr Zimmer (Vgl. Graphik: Vergleich Haushaltsgrössen mit Wohnungsgrössen).

4. Technisierung und Informatisierung: Das Haus von morgen wird über wesentlich mehr moderne technische Komponenten verfügen als das bisher der Fall war. Während die Informationstechnologie in Geschäftshäusern schon länger Einzug gehalten hat, wird sie nun auch im Wohnungsbau verstärkt integriert werden. Dabei sind die technischen Möglichkeiten mit den Kompetenzen und Präferenzen der Nutzer in Einklang zu bringen.

Gebäudelabels können im Kontext dieser Herausforderungen einen Beitrag leisten, indem sie relevante Themen benennen, strukturieren und bewerten.

Allerdings sind die Zusammenhänge und Wechselwirkungen vielfältig, was die abschliessende Erfassung mit nur einem Label schwierig macht. Nicht von ungefähr gibt es daher bereits eine Vielfalt von Labels. Die Labels selber werden nicht die Lösung der Herausforderungen bringen, sie sind aber Bestandteil eines bewussten Umgangs damit und werden in den nächsten Jahren an Bedeutung gewinnen.

Andreas Ammann

Andreas Ammann

Nach dem Studium der Architektur, der Betriebswirtschaft und des Managements erlangte Andreas Ammann, dipl. Architekt ETH/SIA, den eidgenössischen Fachausweis zum Immobilienschätzer. Heute ist er als Vorsitzender der Geschäftsleitung bei Wüest & Partner tätig. Neben verschiedenen Lehraufträgen hält er Seminare und Vorträge zu den Themen Bewertung und Portfoliomanagement.

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