Blog

Mit welchen Massnahmen engagiert sich der Bund gegen Fachkräfteknappheit

Publiziert am 24.04.2012 von Ursula Renold, Direktorin Amt für Berufsbilung und Technologie BBT
Fachkraft 1 Window

Meinung Das Schweizer Bauhauptgewerbe hat im letzten Jahr ein Umsatzplus von über fünf Prozent erwirtschaftet. Die erfreuliche Tatsache vermag aber nicht darüber hinwegzutäuschen, dass die Branche Fachkräfte, die zu Schweizer Standards ausgebildet sind, nicht mehr in ausreichender Zahl anziehen kann.

Die Anstellung von Fachkräften ist nicht nur in der Baubranche, sondern in den unterschiedlichsten Bereichen für viele Unternehmen eine grosse Herausforderung. Wichtig ist, dass wir gemeinsam die bestmöglichen Voraussetzungen schaffen, damit die Wirtschaft diese Knappheit überwinden kann. Denn eine Entschärfung der generellen Fachkräfteknappheit auf dem Schweizer Arbeitsmarkt ist bei gegebenem Wachstum nicht in Aussicht.

Um die zukünftigen demografischen Engpässe zu bewältigen, muss sich die Schweiz vermehrt auf ihre eigenen Fachkräfte konzentrieren. Potenziell Erwerbstätige sollen zunehmend in den Arbeitsmarkt integriert und der Beschäftigungsgrad von Teilzeiterwerbstätigen erhöht werden. Das Volkswirtschaftsdepartement ist sich der Bedeutung der Thematik bewusst und hat hierzu eine Fachkräfteinitiative lanciert.

Ziel des Bundes ist es, zusammen mit den Kantonen und den Organisationen der Arbeitswelt die Rahmenbedingungen so zu strukturieren, dass sich jede Fachkraft über die gesamte Erwerbsbiografie flexibel entwickeln und umschulen kann.

Dazu gehört eine attraktive Grundbildung mit Entwicklungsmöglichkeiten in der höheren Berufsbildung und im Hochschulbereich genauso wie konsequente Nachqualifizierung und Weiterbildung auf allen Stufen.

Einen wichtigen Baustein für diese Rahmenbedingungen kann das geplante Weiterbildungsgesetz leisten, das die Anrechnung informeller Bildungsleistungen an die formale Bildung flächendeckend ermöglichen soll und so die Durchlässigkeit des Bildungssystems erhöht und das lebenslange Lernen fördert.

Ich bin positiv gestimmt, zumal die Eintrittsquote auch an den Hochschulen im Ingenieurwesen und in den naturwissenschaftlich-technischen Bereichen steigt. Die Jungen in der Schweiz erkennen also, dass der «Schweizer Bau» weltweit gefragt ist. Trotz dieses Lichtblicks sollten wir unsere Bemühungen verstärken, die Attraktivität der naturwissenschaftlich-technischen Berufe weiterhin bekannt zu machen und die Vorzüge der Durchlässigkeit unseres Bildungssystems weiterhin und mit Nachdruck bei Jung und Alt zu betonen!

Ursula Renold

Ursula Renold

Ursula Renold studierte auf dem zweiten Bildungsweg Geschichte, Volkswirtschaft und Soziologie. 1998 promovierte sie in Geschichte. Seit 2010 ist sie Honorarprofessorin für Berufs- und Wirtschaftspädagogik. Ursula Renold leitete zwei Jahre lang die Handelsschule AKAD in Zürich. 1995 übernahm sie die Leitung des Bereichs Human Resources an der Frey Akademie Zürich, wo sie massgeblich an der Projektführung der Reform der kaufmännischen Grundausbildung beteiligt war. Von 2001-2005 war sie stellvertretende Direktorin des Bundesamtes für Berufsbildung und Technologie BBT, von 2005 bis 2012 Direktorin.

Veröffentlicht unter:

Kommentar verfassen