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Pro Bausparinitiative: ein Votum von Ansgar Gmür

Publiziert am 06.03.2012 von Ansgar Gmür, Direktor Hauseigentümerverband Schweiz (HEV)
Wohneigentum Window

Meinung Die seit 40 Jahren in der Bundesverfassung verankerte Förderung von selbst genutztem Wohneigentum wird sträflich vernachlässigt. Eine vergleichsweise tiefe Wohneigentumsquote in der Schweiz von ca. 39% ist die Folge. Die Wohneigentumsquote im benachbarten Ausland beträgt in Italien ca. 73%, in Deutschland ca. 43%, in Frankreich ca. 56% und in Österreich ca. 58%. Die Schweizer Stimmberechtigten haben 2012 die Chance, das Bausparen einzuführen und damit Abhilfe zu schaffen.

Zum Bausparen sind gleich zwei Volksinitiativen zustande gekommen, was den weitverbreiteten Wunsch nach Wohneigentum eindrücklich unterstreicht.

Dem Argument, dass Wohnbauförderung den Prozess der Zersiedelung verstärkt, muss an dieser Stelle klar entgegnet werden: Mit den Bauspargeldern kann auch bestehendes Wohneigentum gekauft werden. Es muss also nicht zwingend neu gebaut werden. Hinzu kommt, dass in den letzten Jahren die Anzahl Eigentumswohnungen stark gestiegen ist. Mit den Bauspargeldern werden daher auch viele Wohnungen gekauft. Zudem beanspruchen ja auch Mieter ihren Raum in der gemieteten Wohnung oder dem gemieteten Haus. Abgesehen davon ist der Zersiedelung vielmehr mit raumplanerischen Mitteln zum Beispiel durch eine klare Trennung von Bau- und Nichtbaugebiet zu begegnen, als mit einem Bausparverbot. Mit dem verdichteten Bauen werden bestehende Siedlungsflächen effizienter genutzt, ohne dass unbebaute Zonen in Anspruch genommen werden müssen. Letztlich ist noch zu erwähnen, dass nur 7% der Gesamtfläche der Schweiz als Siedlungsfläche (inkl. Strassen und Bahnen) ausgewiesen ist (BFS, Arealstatistik). 67% der Schweiz bestehen aus der Landwirtschaftszone und Wald und der Rest sind Gebirge und Seen. Dies lässt den Schluss zu, dass in der Schweiz noch genügend Raumreserven für Wohneigentum vorhanden sind.

Der Bundesrat hat für den 11. März 2012 die Abstimmung über die Bauspar-Initiative der Schweizerischen Gesellschaft zur Förderung des Bausparens angesetzt. Sie ermöglicht den Kantonen, das Bausparen fakultativ einzuführen. Pro Person und Jahr könnten CHF 15‘000.- während maximal 10 Jahren steuerfrei für Wohneigentum angespart werden. Zusätzlich wären steuerliche Entlastungen für Investitionen in Umweltschutz- und Energieeffizienzmassnahmen möglich. Am 17. Juni 2012 kommt die HEV-Initiative «Eigene vier Wände dank Bausparen» zur Abstimmung, welche die obligatorische Einführung in allen Kantonen vorsieht. Die Abzüge werden dabei auf CHF 10‘000.- pro Person sowie maximal 10 Jahre limitiert werden. Das übereinstimmende Ziel der Initiativen ist es, die tiefe Wohneigentumsquote in der Schweiz zu erhöhen.

Wohneigentum entspricht einem grossen Wunsch der Schweizer Bevölkerung. Gemäss Umfragen wollen rund 76% der Schweizerinnen und Schweizer Wohneigentum. Trotz einer entsprechenden Verfassungsbestimmung gibt es in der Schweiz nach wie vor keine echte geldwerte Förderung von Wohneigentum. Die beiden sich ergänzenden Vorlagen sind eine grosse Chance, bei der Wohneigentumsförderung endlich einen Schritt weiter zu kommen. In der Schweiz könnten rund 1,2 Millionen Haushalte vom Bausparen profitieren.

Bausparen hat gerade auch für den Mittelstand und junge Menschen eine grosse Wirkung. Das zeigen die Erfahrungen aus dem Kanton Baselland, der das Bausparen als einziger Kanton bereits kennt, deutlich. Dort ist das Bausparen ein grosser Erfolg, von dem vor allem der Mittelstand profitiert hat. Mit den Bausparinitiativen soll einer grösseren Bevölkerungsschicht zu Wohneigentum verholfen, die Fremdverschuldung reduziert und die Konjunktur angekurbelt werden.

Die heute bestehende Möglichkeit, Vorsorgegelder für den Erwerb von Wohneigentum zu verwenden, ist keine echte Wohneigentumsförderung, denn sie geht auf Kosten der Rente beziehungsweise der Kapitalauszahlung im Vorsorgefall. Dies, obschon sowohl die Altersvorsorge als auch die Wohneigentumsförderung als selbständige Förderungsziele in der Bundesverfassung vorgeschrieben sind. Zudem wird in einem aktuellen bundesrätlichen Bericht zur Zukunft der 2. Säule (Pensionskasse) angeregt, die Vorbezugsmöglichkeiten dieser Mittel für den Erwerb von Wohneigentum einschneidend zu kürzen. Angesichts dieser Ausgangslage ist das Bausparen umso dringlicher nötig. Die beiden Bausparinitiativen verdienen daher Ihre Unterstützung mit einem Ja an der Urne.

Der Swissbau Focus Blog diskutiert wichtige Fragestellungen in einem offenen und kontroversen Dialog. Mehr über die Argumente der Gegner der Bausparinitiative erfahren Sie im Beitrag «Contra Bausparinitiative: ein Votum von Beat Jans».

Ansgar Gmür

Ansgar Gmür

Ansgar Gmür ist Direktor des Hauseigentümerverbandes Schweiz (HEV Schweiz) und Chefredaktor der Fachzeitung «Der Schweizerische Hauseigentümer». Der HEV Schweiz hat heute rund 318‘000 Mitglieder in 122 Sektionen. Als Direktor des HEV Schweiz setzt sich Ansgar Gmür auf nationaler Ebene für die Interessen der Haus-, Grund- und Stockwerkeigentümer ein.

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