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Planung in funktionalen Räumen

Publiziert am 01.03.2012 von Thomas Noack, Geschäftsstelle des SIA, Themenbereich Raumplanung
Regionalplanung Window

Meinung Haben bisher die Gemeinden in ihrem Hoheits- und Verantwortungsbereich ihr Gemeindegebiet beplant, wird in Zukunft die Planung in grösseren Zusammenhängen - in funktionalen Räumen - zunehmend wichtiger. Veränderungen im Mobilitätsverhalten der Bevölkerung, Konzentrationsprozesse der Wertschöpfung auf Orte mit hervorragenden Erreichbarkeiten und zunehmende räumliche Disparitäten im Steueraufkommen und in der Wirtschaftskraft führen dazu, dass das Modell der kommunalen Planung, die sich auf ihren eigenen Gemeindeperimeter beschränkt, ausgedient hat.

Daneben stellen wir eine Zunahme der Komplexität der planerischen Aufgaben fest, die eine einzelne Gemeinde oftmals überfordert.

Welches sind nun die Modelle der Zusammenarbeit, die darauf ausgelegt sind, die zukünftigen Herausforderungen zu bewältigen? Und an welchen Kriterien messen wir ihren Erfolg?

Neben den eigentlichen raumplanerischen Aufgaben sind für eine gelingende Planung in funktionalen Räumen weitere Faktoren wesentlich. Begrenzte Ressourcen müssen als gemeinsames Gut verstanden und bewirtschaftet werden. Im Vordergrund stehen hier Finanzen, Energie, Mobilität, Boden und der Naturraum.

Eine zentrale Frage wird sein, wie sich bei gemeinsamer Planung unterschiedliche Steuererträge ausgleichen lassen. Auf der institutionellen Ebene ist die demokratische Legitimation der gemeinsamen Entscheide sicherzustellen und es sind einfache Strukturen zu schaffen, die die Handlungsfähigkeit sicherstellen.

Regionale Zusammenarbeit wird heute an diversen Orten in der Schweiz geprobt – mit sehr unterschiedlichen Ansätzen. Das Spektrum reicht von einer lockeren Zusammenarbeit über eine institutionalisierte Regionalplanung, von einer gemeinsamen Planung im Rahmen der Agglomerationsprogramme bis hin zu Gemeindefusionen. Für die Zukunft lernen heisst, die Prozesse und die Resultate der Planungen in diesen Labors genau zu beobachten. Wo schauen wir hin? Einige Beispiele seien hier erwähnt: die Metropolitankonferenz Zürich, die Regionalplanungskonferenzen im Kanton Bern, die Zusammenarbeit der Gemeinden im Glatttal, die Trinationale Agglomeration Basel oder auch der gemeinsame Richtplan für Lausanne Ouest. Interessant wird es auch sein, die Entwicklung der Gemeindefusionen im Kanton Glarus in Bezug auf gemeinsame Raumplanungsaufgaben mitzuverfolgen.

Die Analyse reicht aber nicht aus. Planung bewegt nur dort etwas, wo mutige Akteure sich engagieren und günstige Gelegenheiten zur Umsetzung nutzen.

Thomas Noack

Thomas Noack

Dr. Thomas Noack, Raumplaner und Geologe, war als Mitarbeiter des Raumplanungsamtes des Kantons Basel-Landschaft Projektleiter der Arealentwicklung Polyfeld Muttenz. Seit 2010 ist er in der Geschäftsstelle des SIA für den Themenbereich der Raumplanung zuständig.

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