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Die intakten Chancen der schweizerischen Photovoltaik-Industrie

Publiziert am 13.03.2012 von David Stickelberger, Geschäftsleiter Swissolar
Photovoltaikindustrie Window

Meinung Firmenpleiten und sistierte Industrieprojekte im Bereich der erneuerbaren Energien haben in letzter Zeit die Investoren verunsichert. Die Gegner der Energiewende sind mit hämischen Kommentaren à la «Solarboom am Ende» rasch zur Hand. Doch da wird einiges durcheinander gebracht. Die wirtschaftliche Lage einzelner Firmen ist nicht gleichzusetzen mit der Lage der Branche.

er weltweite Photovoltaik-Zubau betrug 2011 gegen 30 Gigawatt. Diese Anlagen produzieren etwa so viel Strom wie fünf grosse Atomkraftwerke. So viele AKW wurden im vergangenen Jahr längst nicht in Betrieb genommen – im Gegenteil: ihre Zahl nahm ab.

Jährliche weltweite Wachstumsraten bei den Modulverkäufen von 50-100% haben zu einem raschen Preiszerfall geführt. Bereits ist die magische Grenze von 1 Franken pro Watt unterschritten. Der Preis pro Kilowattstunde Solarstrom nähert sich dabei immer mehr der so genannten Netzparität, wo der Strom vom eigenen Dach weniger kostet als jener von der Steckdose. In Deutschland, wo der Haushaltsstromtarif etwa 50% teurer ist als bei uns, ist dieser Punkt bereits erreicht und in der Schweiz wird dies in wenigen Jahren ebenfalls so sein.

2012 wird der weltweite Photovoltaik-Markt nur wenig wachsen, da in Europa die Förderprogramme – proklamierte Energiewende hin oder her – zurückgefahren werden. Doch die Zukunftsaussichten sind weiterhin rosig, denn es entstehen neue Märkte.

Allen voran in China, aber auch in Indien, den USA sowie in Brasilien und anderen Schwellenländern, die entdeckt haben, welche enormen Vorteile der dezentral und verbrauchernah produzierte Solarstrom gegenüber konventionellen Kraftwerken bietet.

Das laufende Jahr bietet eine Verschnaufpause auf dem Weg der Photovoltaik zur wichtigsten Stromproduktionstechnologie. Die Schweizer Industrie wird weiterhin an vorderster Front dabei sein, nicht primär in der Modulproduktion, sondern in der Herstellung von Produktionsmaschinen, Zubehör sowie in der Projektentwicklung. Unser hochstehender Forschungsstandort bietet das dafür nötige Know-how. Umso wichtiger, dass wir diesem Trumpf Sorge tragen: einerseits durch einen funktionierenden Heimmarkt, andererseits durch eine Forschungspolitik, welche die Photovoltaik nicht nur mit Brosamen abspeist!

Im Rahmen des Themenanlasses «Gebäude als Kraftwerk» hat David Stickelberger ein Videointerview zu den Chancen der Energieerzeugung im Gebäudebereich gegeben. Das Videointerview finden Sie im Eventreport zum Anlass.

David Stickelberger

David Stickelberger

David Stickelberger, studierter Geograph mit absolviertem Nachdiplomstudium in Umweltlehre, ist Geschäftsleiter von Swissolar, dem Schweizerischen Fachverband für Sonnenenergie. Vor seiner aktuellen Tätigkeit arbeitete er von 1993 bis 1998 bei Greenpeace Schweiz als Leiter der Kampagne Klima und Energie, sowie von 1998 bis 2007 als Co-Geschäftsführer von AEE (Agentur für erneuerbare Energien und Energieeffizienz).

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