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Ungenutztes Potential für Photovoltaik Grossprojekte in der Schweiz

Publiziert am 10.01.2012 von Franz Baumgartner, Koordinator Geschäftsfeld Energie und Umwelt ZHAW
solarwings

Meinung Auf den Schweizer Dächern haben 12'000 Megawatt (MW) Solarmodule Platz. Damit könnten 20% des heute verbrauchten elektrischen Stroms in der Schweiz erzeugt werden. Zu diesem Schluss kommen auch die Branchenverbände AEE (Agentur für Erneuerbare Energie) und Swisssolar.

Die wenigsten Hausdachanlagen haben Leistungen über 1 Megawatt (MW), wie das Vorzeigeprojekt des solarbedachten Wankdorf-Stadion in Bern. Beispielsweise hat der Autobauer Renault die Realisierung von 60 MW Solarstromleistung auf seinen Produktionswerken in Frankreich angekündigt.

Die Solarstromanlagen auf Schallschutzwänden, wie sie in der Schweiz an der N1 bei Chur ja vor zwanzig Jahren erfunden wurden, bieten ebenfalls Platz für Solargrossanlagen von typisch 100kW auf einer Strassenlänge von etwa 400 Meter. Die Thomas Nordman Consulting hat dafür schon vor längerer Zeit ein Leistungspotential in der Schweiz von etwa 75 MW ermittelt, wobei auch die Schallschutzanlagen der Bahn miteinbezogen wurden. Damit könnten etwa zweitausend sparsame Haushalte mit Solarstrom versorgt werden. Wird die gesamte Autobahn mit einer Solaranlage überdeckt, so kann gar eine Solarleistung von 2.8 MW auf einer Strecke 2.7 km realisiert werden, wie es 2009 im deutschen Aschaffenburg über der A3 umgesetzt wurde.

Grössere Parkplätze bieten ebenfalls die Möglichkeit, Solarstromanlagen in der Grössenordnung von 100 kW bis MW zu errichten. Mit effizienten Solarmodulen kann so etwa 2000 Watt Nennleistung anteilsmässig über einen einzelnen PW Parkplatz installiert werden. Wir konnten an der ZHAW in Winterthur im Rahmen des Forschungsprojektes BAER das Potential von Solar Carports ermitteln. Die Detailanalyse der Parkplätze in der Stadt Frauenfeld hat ergeben, dass dort über 5 MW Solarzellen über diesen Parkplätzen zur Stromproduktion genutzt werden könnte. Hochgerechnet auf die Schweiz würden diese grösseren Solar Carport Kraftwerke einer Nennleistung von gesamthaft bis zu 1000 Megawatt entsprechen.

Berücksichtigt man noch andere Grossprojekte, wie das von den EKZ am Walensee geplante 8MW Solarstromprojekt im Steinbruch, weitere Folgeprojekte vom jüngst eingeweihten Solar Skilift in Tenna, Solaranlagen auf Lawinenverbauungen wie in St. Antöni geplant oder solare Überdachungen von Aussenfreilagern wie bei der Flumroc AG, kann obige Solarleistung in der Schweiz noch weiter erhöht werden.

In Kalifornien entsteht zurzeit das grösste Solarkraftwerke mit einer Leistung von 550 MW in der Freifläche auf einem Areal von etwa 1000 Fussballfeldern. Im Gegensatz dazu verfolgen die bekannten erfolgreichen Solarprojekte in der Schweiz stets den Grundsatz der Doppelnutzung. Bereits bestehende Bauten oder technische Installationen werden um die Solarstromproduktion erweitert, ohne dafür zusätzliche landwirtschaftliche Grünfläche zu verbauen.

Während die Integration der Solarzellen in bestehende Bauten heute mit Abstand das grösste Potential darstellt, bilden im zweiten Rang die heute noch weitgehend ungenutzten Parkplätze die Möglichkeit der erneuerbaren Stromerzeugung. Zusätzlich sollten weitere innovative Anwendungen gesucht werden, da wir ja erst am Beginn des Solarzeitalters stehen.

Franz Baumgartner

Franz Baumgartner

Prof. Dr. Franz Baumgartner ist seit Februar 2008 Dozent für erneuerbare Energien und Elektronik sowie Koordinator des Geschäftsfeldes Energie und Umwelt an der ZHAW. Der studierte Elektrotechniker und Physiker ist seit 1989 im Bereich der Photovoltaik und erneuerbaren Energien tätig.

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