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MINERGIE zur Förderung zukunftstauglicher Gebäudesanierungen

Publiziert am 24.01.2012 von Ruedi Kriesi, Inhaber der Kriesi-Energie GmbH und Vizepräsident des Vereins Minergie
Minergei Sanierung Window

Meinung In der Schweiz steht ein Park von etwa 600 Millionen Quadratmeter vor 1990 entstandener Bauten mit einem hohen Energieverbrauch von über 15 kWh/m2a. Für eine Wohnung mit 200m2 und einer Ölheizung bedeutet dies Heizkosten von ca. 3000.- Fr./a; mit ca. 10% üblicher Mieten also nach wie vor gut tragbar. Sollte sich der Energiepreis aber nochmals verdreifachen, wird das Interesse an solchen Liegenschaften auch bei guter Wohnlage drastisch sinken!

Die energetische Sanierung dieses Altbauparks würde ungefähr 600 Milliarden Franken erfordern, oder - soll dies in 30 Jahren geschehen – 20 Milliarden Fr./a. Das sind 50% mehr als die gesamten heutigen Ausgaben für Gebäudesanierungen, die bisher zudem zum grössten Teil Massnahmen im Innern betreffen. Zur Diskussion steht also eine drastische Erhöhung der Ausgaben für energetische Verbesserungen von 15 Milliarden Fr./a.

Soll dies durch Subventionen erreicht werden, wären also während 30 Jahren unrealistisch hohe Beiträge von ungefähr 5 Milliarden Fr./a nötig. Auch Vorschriften eignen sich schlecht: Viele Hauseigentümer sind alt oder aus anderen Gründen nicht in der Lage, eine grosse Sanierung oder einen Ersatzneubau abzuwickeln. Ein Sanierungszwang würde also gesellschaftlich höchst unappetitliche Enteignungen bedeuten.

Es sollte aber saniert werden, bevor der Energiepreis dazu zwingt! Müssten einmal alle Hauseigentümer ihre Bauten gleichzeitig sanieren, wäre die Bauindustrie mit einer Kapazität von 40 Milliarden Fr./a - einschliesslich Neubau - völlig überfordert.

MINERGIE hat eine neue «Mode» eingeführt, mit 25% Anteil allein der zertifizierten Bauten am Neubauvolumen: Komfort und Wertbeständigkeit bei tiefem Energieverbrauch dank guter Gebäudehülle und Komfortlüftung (Bild: Erfolgreiche MINERGIE-Sanierung in Dielsdorf) Diese Mode lässt sich auf bestehende Bauten übertragen. Die steigende Bewohnerzahl von MINERGIE-Neubauten, die sich an erhöhten Komfort gewöhnen, beschleunigt die Nachfrage nach MINERGIE-Wohnraum auch im Altbau, die Industrie bringt angepasste Lösungen und der Verein MINERGIE wird hoffentlich bald mit Kantonen, Bund und Industrie Mittel für die gezielte Information zur Sanierung generieren können!

Neue Labels wie das Plusenergiehaus oder der Effizienzpfad, die neue Standards definieren, statt MINERGIE als Grundlage für ihre Zusätze einzusetzen, sind dafür allerdings Gift: Die Verunsicherung der Bauherren durch unklare Signale der Fachwelt wird es nicht richten.

Mehr zur Debatte rund um das Thema Gebäudelabels erfahren Sie im Eventreport zur Swissbau Focus Arena «Wertsteigerung durch Gebäudelabels – nachhaltiges Bauen wird messbar».

Ruedi Kriesi

Ruedi Kriesi

Ruedi Kriesi, Dr. sc. techn, ist Inhaber der Kriesi-Energie GmbH, Leiter der Strategiegruppe und Vizepräsident des Vereins Minergie sowie Technologie-Berater der Zehnder Group. Bis 2010 war er Leiter Technologie bei der Zehnder Group, in der er den Bereich Komfortlüftung eingeführt hat. Er ist Einzelmitglied der Schweizerischen Akademie der Technischen Wissenschaften, SATW. Seit 1990 lebt er in Wädenswil in einer mit dem Architekten Ruedi Fraefel gebauten Null-Heizenergie-Siedlung.

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