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Arena «Energie im Bau – Herausforderungen im Bestand»

Publiziert am 19.01.2012 von Redaktion Swissbau
energiearena
Eventreport - Swissbau Focus Arena 19.1.2012, 16.00-17.00 Uhr, Halle 1.2 Messe Basel

Bild: Ansgar Gmür, Hauseigentümerverband Schweiz


Eineinhalb Millionen Gebäude sind Energieschleudern. Deren Sanierung könnte sehr viele fossile Brennstoffe einsparen. Hauseigentümer, Behörden, Berufsverbände und die Solarbranche wollen etwas unternehmen. Bei der Diskussion über Massnahmen endet die gemeinsame Basis, wie die Swissbau Focus Arena über «Herausforderungen im Gebäudebestand» zeigt.

Im Neubaubereich ist das Null- und Plusenergiehaus zwar kurz vor dem Durchbruch. Doch ¾ der Gebäude in der Schweiz wurden vor 1980 erstellt und benötigen deshalb ein Vielfaches an fossiler Heizenergie. Die Sanierung stünde zwingend an: «Doch sie kommt nicht vom Fleck, weil die Energiepreise zu niedrig sind», weiss André Previdoli, stellvertretender Direktor des Bundesamts für Energie. Zusammen mit 15 weiteren Fachleuten aus Praxis, Hochschulen und Interessensverbänden nahm er an der Focus-Diskussion über den «Sanierungsfall Gebäudebestand» teil. Previdoli, der für die Energiestrategien des Bundes zuständig ist, glaubt aber, dass sich der Erdölpreis in den kommenden 40 Jahren mindestens verdoppeln wird. Von den aktuellen, öffentlichen Fördergeldern für eine Gebäudesanierung zu profitieren, hält der Bundesvertreter für ratsam. Ansgar Gmür, Direktor des Hauseigentümerverband Schweiz warnt aber davor, die «wirtschaftliche Basis der Besitzer zu überschätzen: Die wenigsten sind so reich wie Dagobert Duck». Die umfassende Sanierung von Gebäuden sei wirtschaftlich meistens nicht tragbar, «weil mehr als zwei Drittel der Häuser in privaten Händen liegt» – und nicht professionellen Investoren gehört.

Mangelndes Wissen und fehlendes Bewusstsein

Als weiteren, wesentlichen Grund für den Sanierungsstau hält Reto Miloni, Inhaber eines Architekturbüros, das «fehlende Bewusstsein beim Eigentümer. Der Schmerz ist offensichtlich nicht gross genug», so Miloni. Adrian Altenburger, Mitglied der Geschäftsleitung von Amstein und Walthert, bestätigt: «70 Prozent der Besitzer, die von uns eine technische Analyse verlangen, glauben anfänglich, ihr Haus sei in einem guten Bauzustand».

Ungenügender Wissensstand wird aber nicht den Besitzern sondern auch Fachleuten attestiert: Jobst Willers, Bildungsverantwortlicher des sia, kritisiert, dass «vor allem der Architekt weiterbildungsresistent sei». Dabei käme ihm sogar eine Schlüsselrolle bei der Beratung von Hauseigentümern zu, so Willers. Denn Architekten können Sanierungsmassnahmen derart kombinieren, dass der Energieverbrauch verringert und der Komfort erhöht wird. «Weniger Energie ist für viele Hausbesitzer kein ausreichender Mehrwert», weiss Daniel Vonlanthen vom Fachverband für hinterlüftete Fassaden. Sanieren und gleichzeitig die Nutzfläche erweitern, sei daher oft eine willkommene Lösung. «Doch es braucht mehr Fachleute, die ganzheitlich planen können», so Vonlanthen.

Grosszügigere Förderung

Eine umfassendere Sichtweise fordert Gallus Cadonau, Solar Agentur Schweiz, auch für die dezentrale Energieversorgung. «Die finanzielle Förderung von erneuerbaren Energien läuft falsch: Statt viele kleine Wasserkraftwerke zu unterstützen, sollte sich der Bund stärker für Solaranlagen am Gebäude engagieren.» Die Stromerträge wären viel grösser. «Der Solarstrom reicht sogar für den kompletten Ersatz der AKWs», ergänzt Swisssolar-Geschäftsführer David Stickelberger.

Grosszügigere Anreize für Solaranlagen wünscht sich auch Franz Baumgartner, Dozent für erneuerbare Energie an der Zürcher Fachhochschule. Tatsächlich könnte der CO2-Ausstoss vieler Bestandesbauten dadurch wirkungsvoll verringert werden, ohne sie umfassend zu sanieren, gibt Markus Weber, Fachgesellschaft für Haustechnik und Energie im Bauwesen der sia, zu Bedenken.

So sieht es auch der Vertreter der 2000-Watt-Gesellschaft, Roland Stulz, Geschäftsführer von Novatlantis: «Wir müssen sowohl die Klimabilanz verbessern als auch die Energieeffizienz erhöhen.» Die jeweils beste Sanierungsmethode sei individuell zu klären. Aber unter den Diskussionsteilnehmern unbestritten ist: «Wir müssen etwas tun.» Nur: Ob Hauseigentümer erst aktiv werden, wenn der Gebäudeenergieausweis obligatorisch ist, die Bau- und Energievorschriften weiter verschärft werden, oder ob es bessere Ausbildungen an den Hochschulen braucht, darüber wollten sie nicht einig werden.

Weiteres Bildmaterial zur Arena «Energie im Bau - Herausforderungen im Bestand» steht in der Bilddatenbank der Swissbau zur Verfügung.


Videointerviews

Adrian Altenburger, Geschäftsleitung Amstein + Walthert AG
Reto Miloni, Dipl. Architekt ETH SIA, Inhaber Miloni Solar Engineering GmbH
Dr. rer. pol. Pascal Previdoli, Stellvertretender Direktor Bundesamt für Energie BFE
Ansgar Gmür, Präsident
HEV Schweiz

Sendung in voller Länge

Impressum

Text: Paul Knüsel, Faktor Journalisten AG, www.fachjournalisten.ch
Interviews: Peter Basler
Kamera und Schnitt: Adrian Baumann, TVision, www.tvision.ch
Fotografie: MCH Swissbau
Konzept und Koordination: IEU AG, Liestal, www.ieu.ch


Redaktion Swissbau

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