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Arena «Bildung für die Bau- und Immobilienwirtschaft – Fachleute von morgen»

Publiziert am 17.01.2012 von Redaktion Swissbau
bildungsarena
Eventreport - Swissbau Focus Arena 17.1.2012, 16.00-17.00 Uhr, Halle 1.2 Messe Basel

Bild v.l.n.r. Ursula Renold, Direktorin BBT, Daniel Büchel, Vizedirektor BFE, Moderator Filippo Leutenegger, Peter Schilliger, Zentralpräsident suissetec, Stefan Cadosch, Präsident SIA


Damit die vollen Auftragsbücher in der Bauwirtschaft abgetragen werden können, wird mehr Fachpersonal benötigt. Zwar zeigen die neusten Studienzahlen ein gestiegenes Interesse an technischen Ausbildungen. Doch die Diskussion an der Swissbau Focus Arena zeigt, dass die Anerkennung für Baufachberufe weiter gesteigert werden muss.

Die Bauwirtschaft durchlebt eine beneidenswerte Situation: ein – trotz Wirtschaftskrise – anhaltender Boom. Die Auftragsbücher vieler Unternehmer sind voll. «Aber kann die Branche überhaupt liefern?» will Filippo Leutenegger, Moderator der ersten Focus-Arena wissen. Über ein Dutzend Vertreterinnen und Vertreter des Bundes, von Berufsverbänden und aus Bildungsinstitutionen haben am Swissbau Eröffnungstag klärende Antworten gesucht. Unter dem Titel «Bildung für die Bau- und Immobilienwirtschaft – Fachleute von morgen» wurde eine Dreiviertelstunde über drohende Nachwuchslücken, fehlende Anerkennung für Handwerksberufe sowie über ausbleibende Karriereaussichten diskutiert. Einig waren sich fast alle Teilnehmenden: «Die Berufsbildung darf nicht generell verakademisiert werden. Praktiker für das Bauhandwerk sind zunehmend gesucht.»

Situation spitzt sich zu

Stefan Cadosch, Präsident des sia, bestätigt den «sich zuspitzenden Befund: Uns fehlt versiertes Fachpersonal mit technischem Grundlagewissen». Der Bauzeichner sei faktisch ausgestorben und die Ausbildung an den Fachhochschulen lasse eine tendenzielle «Akademisierung» erkennen, sagt sia-Präsident Cadosch. «Mangelware ist auch Personal, das nicht nur spezialisiert eingesetzt werden kann», ergänzt Peter Schilliger, Zentralpräsident Suissetec. Ursula Renold, Direktorin des Bundesamts für Berufsbildung und Technologie BBT sorgt sich derweil grundsätzlich um den Nachwuchs: «Die demografische Entwicklung weist auf eine Abnahme von Schulabgängern hin.» Zugleich verändere sich das Bildungssystem schleichend: «Die Ausbildung steht unter dem Einfluss der Bologna-Reform; ein Bachelor- oder Masterstudiengang ist dem guten Image sicher förderlich», sagt BBT-Direktorin Renold. Daher sei es an der Zeit, bestehende Berufsbilder in ihrem Ansehen aufzuwerten.

Energiebereich als Taktgeber

Der Bund ist bereits tätig geworden. Sowohl das BBT als auch das Bundesamt für Energie (BFE) sind für Baufachverbände wichtige Bildungspartner geworden. «Die neuen Herausforderungen im Energiebereich geben den Takt vor», bekräftigt Daniel Büchel, BFE-Vizedirektor. «Deshalb arbeiten wir mit Fachverbänden beispielsweise zur Ausbildung von Energieberatern zusammen und unterstützen ebenso Weiterbildungsangebote an Fachhochschulen.» Urs Rieder, Leiter der Bachelorstudien an der Hochschule Luzern, Abteilung Technik und Architektur, bemängelt dennoch die beschränkten Karriereaussichten: «Absolventen kehren nach der Weiterbildung in ihren angestammten Beruf - ohne wesentliche Funktionsänderung – zurück.» Zudem hat Rieder erkannt, dass die Berufswahl im technischen Umfeld zu wenig attraktiv sei: «Aber wie locken wir mehr junge Menschen an?» fragt Rieder stellvertretend an der Swissbau-Diskussionsrunde. Die meisten Teilnehmer waren sich tatsächlich einig, dass technische Berufe wie Maurer, Heizungs- oder Lüftungsinstallateure ein Imageproblem hätten. «Gefragt sind Talente und keine Titel. Dabei wäre der Baubereich eigentlich attraktiv für - praktisch und akademisch gleichermassen geschulte - Berufsleute», hat Daniel Kündig, Ehrenpräsident des sia, erkannt.

Hohe Ausbildungsqualität

Dagegen wird weder am Bildungssystem noch an der Qualität der Ausbildungen gezweifelt. BBT-Chefin Renold betont die «international herausragende Stellung des dualen Systems». Und Armin Binz, Studienleiter an der Fachhochschule Nordwestschweiz, bestätigt seinerseits, dass die Abgänger «jeweils gefragte Leute mit besten Berufschancen sind». Er vermisse einzig eine Kultur im Bauwesen, das die Weiterbildung zum festen Bestandteil einer Berufskarriere gehört, «wie es bei Medizinern selbstverständlich und sogar obligatorisch ist».

Ein Qualitätsproblem wird auch von Hans Rupli, Holzbau Schweiz, verneint. «An den Berufsweltmeisterschaften schneiden die Handwerker aus der Schweiz jeweils sehr gut ab.» Vielen Baufachleuten fehlen jedoch die Karriereperspektiven, weshalb die Abgänge zahlreich seien. «Wir müssen das Selbstbewusstsein und das Ansehen der Handwerker unbedingt stärken», ist Konrad Imbach von GebäudeKlima Schweiz daher überzeugt.



Weiteres Bildmaterial zur Arena «Bildung für die Bau- und Immobilienwirtschaft - Fachleute von morgen» steht in der Bilddatenbank der Swissbau zur Verfügung.


Videointerviews

Ursula Renold,
Direktorin BBT
Stefan Cadosch,
Präsident SIA
Peter Schilliger,
Zentralpräsidentsuissetec
Daniel Büchel,
Vizedirektor Bundesamt für Energie

Sendung in voller Länge

Impressum

Text: Paul Knüsel, Faktor Journalisten AG, www.fachjournalisten.ch
Interviews: Peter Basler
Kamera und Schnitt: Adrian Baumann, TVision, www.tvision.ch
Fotografie: MCH Swissbau
Konzept und Koordination: IEU AG, Liestal, www.ieu.ch


Redaktion Swissbau

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