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Steigerung der Attraktivität der Sanierung des Schweizer Gebäudeparks

Publiziert am 09.12.2011 von Adrian Altenburger, Verwaltungsrat und Mitglied der Geschäftsleitung Amstein+Walthert AG Zürich
Gebäudemodernisierung Window

Meinung Gemäss einer aktuellen Umfrage des Kantons Zürich (AWEL) sind 70% der Gebäudeeigentümer der Meinung, dass ihre Liegenschaft energetisch keinen Erneuerungsbedarf hat. Diese Eigeneinschätzung widerspricht nicht nur den statistischen Daten, wonach 80% der bestehenden Gebäude alleine aufgrund der fossil basierten Heizenergie einen Transformationsbedarf hätten, sondern ist im Bezug auf die Endnutzer (Mieter) auch eine ökonomische Zeitbombe.

Der Immobilienmarkt ist getrieben von der anhaltend hohen Nachfrage und dem je nach Region äusserst knappen Angebot. Das heisst die Bereitschaft, hohe Mieten und in der Folge meist als «gottgegeben» hohe Nebenkosten zu bezahlen, ist nicht bewusst gewählt, sondern das Resultat der aktuellen Marktmechanismen.

Als Gebäudeeigentümer kann man sich bequem zurücklehnen oder kreativ werden um eine Nasenlänge voran zu sein, falls die Marktverhältnisse dereinst etwas anders sein sollten.

Nebst den traditionellen steuerlichen Vorteilen (Abzüge werterhaltender Massnahmen) werden aktuell je nach Standort viele energetische Massnahmen finanziell gefördert (zum Beispiel Gebäudeprogramm) – von beidem merkt der Mieter zuweilen aber wenig bis gar nichts. Trotz diesen finanziellen Anreizen ist die Sanierungsquote nach wie vor bei tiefen 1.5% und nicht bei den zur Einhaltung der Klimaschutzziele notwendigen 2 bis 4%.

Aus Sicht des Endnutzers wäre es aber attraktiv in einem Gebäude mit auch künftig tiefen Energiekosten zu wohnen, sofern der Mietzins konkurrenzfähig ist.

Drei denkbare aber gekoppelte Massnahmen: Erstens ein periodisches Monitoring der Energieverbräuche und CO2-Emissionen aller bestehenden Gebäude gekoppelt mit einer steuerlichen Entlastung bei Erreichung der Zielwerte (zum Beispiel SIA Effizienzpfad Energie) innert definierter Fristen beziehungsweise einer steuerlichen Zusatzbelastung (Sanktion) bei nicht Erreichen dieser Werte. Zweitens die regulative Einführung einer Bruttomiete (keine Nebenkosten für den Energieverbrauch), welche die Gebäudeeigentümer animieren die Differenz zwischen Netto- und Bruttomiete möglichst gering zu halten, vor allem wenn dereinst die Energiepreise steigen sollten. Beide Massnahmen sollten flankierend mit persuasiven Instrumenten (Ausbildung, Information und Beratung) gestaltet werden, welche die beiderseits fehlende Informations- und Fachkompetenz kompensieren und wenig zielführende Massnahmen verhindern.

Adrian Altenburger

Adrian Altenburger

Dipl. HLK-Ing. HTL Adrian Altenburger ist Partner/Verwaltungsrat und Mitglied der Geschäftsleitung bei der Amstein+Walthert AG in Zürich. In seiner Funktion als Bereichsleiter ist er zuständig für die konzeptionelle Beratung und Projektsteuerung für Bauherren, Investoren und Gebäudebetreiber in Fragen der Gebäudetechnik und Energieeffizienz. Adrian Altenburger ist zudem Präsident des SIA-Fachrats Energie.

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