Blog

Der grösste Feind der Sanierung sind wir selbst

Publiziert am 03.12.2011 von Stefan Jäschke, Mitglied der Institutsleitung am Institut für Facility Management der ZHAW
Wohnbausanierung Window

Meinung Der Gebäudepark der Schweiz ist in die Jahre gekommen und muss saniert werden. Diese Botschaft ist weitgehend angekommen. Dennoch werden die Sanierungsziele schleppend erreicht. Warum?

Ganz einfach. Wir leben in einer momentan von der Ökonomie dominierten Gesellschaft.

Wenig auszugeben, dafür viel zu erhalten und immer noch viel zu behalten, gibt offenbar ein so gutes Gefühl, dass häufig der gesunde Menschenverstand auf der Strecke bleibt.

Es gibt Ökonomen im Markt, die öffentlich und einseitig behaupten, dass Sanieren Wertvernichtung sei! Dem setze ich entgegen, dass Eigentum auch eine gewisse Verpflichtung bedeutet. Wer nicht saniert, läuft Gefahr, dass sein Eigentum zunehmend schlechter behandelt wird und zu einer öffentlichen Provokation ohne Wert verkommt, die sich jedermann ansehen muss. Der Nutzer ist eben auch wichtig!

Was tun wir nun gegen uns? Die eigentliche Frage im Hintergrund ist: Haben wir die richtigen Rezepte? Die Schweiz setzt auf die Vernunft der Eigentümer. Die Angebote, die eine Orientierung verbunden mit konkreten Massnahmen darstellen, sind etabliert. Insbesondere das Minergie-Label hat hier einiges bewirkt. Dennoch ist zu differenzieren. Es gibt den gewerblichen Immobilienpark und den Wohnungsbau. In beiden Segmenten haben wir Bestand und Neubau.

Der Stau der Sanierung ist im Bestand. Die gewerblichen Liegenschaften stehen unter dem Druck vom Markt, das heisst die Nutzer (Mieter) verlangen immer häufiger «nachhaltige» Immobilien. So ist hier der Markt in Bewegung. Im Wohnungsbau sind neuerstellte Immobilien gemäss anerkannten Standards (zum Beispiel Minergie) errichtet. Im Bestand aber fehlen oft die (ökonomischen) Anreize. Vernunft oder Einsicht kann sich häufig gegen ökonomische Gegebenheiten nicht durchsetzen. Dennoch wird diese am Ende hoffentlich siegen. Wer saniert, gewinnt mehr (Wert, Anerkennung, Ansehen, Dankbarkeit) als er ausgibt. Labels und Aufklärung helfen, doch die eigentliche Hürde kennen wir sehr gut und wissen um deren Stärke: Es braucht Willen und Entschlossenheit!

Stefan Jäschke

Stefan Jäschke

Stefan Jäschke, Prof. Dr.-Ing. und dipl. Wirtschaftsingenieur (NDS), ist seit März 2007 an der ZHAW als Dozent für Energie- und Gebäudetechnik, Kompetenzgruppenleiter Immobilienmanagement und Mitglied der Institutsleitung am Institut für Facility Management tätig. Seit Juni 2008 ist er in Personalunion Geschäftsführer der Schweizer Gesellschaft für Nachhaltige Immobilienwirtschaft.

Veröffentlicht unter:

Kommentar verfassen

 
 

 

Kommentare

  • Andreas sagte:
    05.12.2011 10:03
    In Deutschland sieht es nicht anders aus. Aber welche Lösungen bringen uns weiter? Wie können wir den Sanierungsstau abbauen? Da fehlen uns auch die Antworten.

Teilen