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Wann kommt die Solar-Hypothek?

Publiziert am 22.11.2011 von Reto Miloni, dipl. Architekt ETH SIA
Photovoltaikparadies Window

Meinung Seit einem Jahrzehnt gewähren 16 Kantonalbanken sowie national tätige Kreditinstitute (CS, UBS, Raiffeisen oder Bank COOP und so weiter) Vorzugshypotheken unter dem Titel MINERGIE-Hypothek. Diese sind an Energiekriterien gemäss MINERGIE-Reglement gebunden.

MINERGIE garantiert Einsparungen bei den Betriebskosten bei gleichzeitigem Zugewinn an Komfort und Wiederverkaufswert. Im Immobilienmarkt wurde MINERGIE zum erfolgreichen Label und wird von Kantonen und Finanzinstituten aus Marketinggründen ganz gezielt gepflegt. Der finanzielle Nutzen einer MINERGIE-Hypothek ist gemessen am baulichen und administrativen Aufwand bescheiden. Trotzdem macht er sich über Förderbeiträge bei Neubauten oder Modernisierungen bezahlt, weil viele Kantone zusätzlich Quadratmeter- oder Pauschalbeträge bei Erreichung des MINERGIE-, MINERGIE-P, MINERGIE-A Standards ausbezahlen.

Heute emanzipieren moderne Bauherren zum «Prosumer»: Sie wollen nicht nur Stromkonsument sein, sondern mit ihrem Gebäude auch als Stromproduzent im Netz agieren. Denn nichts versinnbildlicht das Streben nach Nachhaltigkeit und Unabhängigkeit treffender als die eigene Solarstromanlage.

Erstaunlicherweise kam bis heute noch keine Kantonal- oder Schweizer Grossbank auf den Gedanken, mit Solar-Hypotheken analog zu MINERGIE dem Schweizer Photovoltaik-Markt auf die Sprünge zu helfen.

Reto Miloni zu neuen Energietechnologien

Über 12'000 PV-Projekte dümpeln bei SWISSGRID in einer übervollen Warteliste für die kostendeckende Einspeisevergütung während die Banken händeringend nach sicheren Anlagemöglichkeiten suchen. Wenn ein Solarstromprojekt spätestens innert 5 Jahren kostendeckende Einspeisevergütung erhält um danach 20 Jahre lang kostendeckend Solartrom produzieren zu können, ist jede kostengünstig erstellte PV-Anlage mindestens so profitabel wie ein MINERGIE-Investment. Schliesslich fallen in der Schweiz Kapitalkosten kaum ins Gewicht, Solarstromanlagen haben bei professionell ausgelegten Systemen eine hohe Wertbeständigkeit und der Absatz des Solarstroms ist für ein Vierteljahrhundert zu Fixpreisen garantiert.

War es vor zehn Jahren richtig, mit MINERGIE den Weg institutionell und finanziell in Richtung Energie-Minimierung zu ebnen, gilt es heute, Energie-Maximierungs-Szenarien durch Solarstromproduktion im Ein- und Mehrfamilienhaus zu starten. Der Besitzer einer eigenen Solarstromanlage leistet ja nicht nur einen wichtigen volkswirtschaftlichen Beitrag bei der Entlastung der Umwelt und des öffentlichen Stromnetzes. Er ist in Zeiten teurer werdenden Stroms auch ein guter Schuldner für die Bank, weil die Einnahmen aus Stromverkäufen alle Kapitalkosten für die ausgelösten PV-Investitionen hinreichend verzinsen und tilgen können. Wann also kommt die Solar-Hypothek und wird die Schweiz zum PV-Eldorado?

Reto Miloni

Reto Miloni

Reto P. Miloni ist dipl. Architekt ETH SIA. Das Büro Miloni & Partner in Wettingen existiert als unabhängiges Planungs- und Architekturbüro seit 1994 und unterstützt die Kunden im Bereich Energiekonzepte und Architektur. Für seine Bauten mit Passivhaussystem und ausgeklügelter Nutzung der Solarenergie hat Reto Miloni bereits zahlreiche Preise gewonnen.

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Kommentare

  • Hansjörg Ruf sagte:
    23.11.2011 16:34
    Gerne weisen wir Sie darauf hin, dass es auf dem Schweizer Hypothekarmarkt durchaus ein Produkt zur zinsvergünstigten Finanzierung von Solar-Anlagen gibt: die Nachhaltigkeitshypothek der Bank Coop. Diese Hypothek ist u.a. auch eine Solar-Hypothek. Der Einbau einer thermischen Solaranlage für die Warmwasseraufbereitung und der Einbau einer Photovoltaikanlage für die Stromerzeugung können mit der Nachhaltigkeitshypothek der Bank Coop mit einer Zinsvergünstigung von 0.5% p.a. finanziert werden. Die Nachhaltigkeitshypothek kann entweder als Fest- und/oder als variable Hypothek abgeschlossen werden. Weitere Informationen unter: www.hypotheken-schweiz.ch oder unter Tel. 0800 88 99 66."
    Hansjörg Ruf
    Leiter Fachstelle Nachhaltigkeit, Bank Coop
  • Wiesendanger Roger sagte:
    20.01.2012 14:54
    Es gibt mittlerweile viele solche „Umwelthypotheken“.
    Die Zürcher Kantonalbank (ZKB) war zusammen mit der Alternativen Bank die 1. Finanzdienstleisterin, welche ökologisch pionierhafte Vorhaben mit einem zinsvergünstigten Darlehen „subventionierte“.
    Noch heute ist die ZKB in dieser Thematik führend. Soeben wurde von ihr der Nachhaltigkeitsindikator initiiert. Dieser vereinfacht den Kunden den Anlageentscheide. Auf einen Blick sieht dieser, wie es um die Nachhaltigkeit von Fonds bestellt ist.
    Übersichtliche Klassifizierung
    Über 500 Aktien- und Obligationenfonds aus unserem Fondsuniversum werden bezüglich ihrer Nachhaltigkeit bewertet und von A bis G klassifiziert (A ist die höchste Stufe, G die niedrigste).
    In Form des Nachhaltigkeitsindikators stellen wir Ihnen diese Klassifizierung für Ihre Anlageentscheide zur Verfügung. Dank der einfachen Darstellung sind Sie sofort informiert, wie nachhaltig ein Fonds ist. Mehr Details unter http://www.zkb.ch/de/center_worlds/ueber_uns/nachhaltigkeit/produkte/nachhaltigkeitsindikator.html
  • Wiesendanger Roger sagte:
    20.01.2012 14:55
    siehe dazu auch unter www.zkb.ch/umweltdarlehen
  • Miloni Reto sagte:
    26.01.2012 11:24
    Es ist richtig, dass unter dem Titel "Renovations- oder Nachhaltigkeitshypotheken" dem Schweizer Hypothekarmarkt interessante Angebote zu finden sind, welche auch den Bereich der Solaranlagen nicht ausschliessen. Es ist aber ebenfalls richtig, dass meines Wissens keine Bank gezielt mit dem Attribut "Solarhypothek" wirbt und bislang niemand aktives Marketing für diese interessante und nachhaltige Form der Solarenergienutzung lanciert hat. Tatsache ist doch, dass eine teilweise fremdfinanzierte Solaranlage eine völlig andere, sichere und langfristige Eigenkapitalrendite erzielen würde. Unverständlich, dass Banken ihr diesbezügliches "financial engineering" nicht längst überdacht haben, um sich gute Schuldner in neuen Märkten zu erschliessen.

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