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Transformation Gebäudepark Schweiz

Publiziert am 28.11.2011 von Markus Weber, Vorsitzender der Konferenz der Gebäudetechnik-Verbände
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Meinung Unter den in der Schweiz rund 21'000 Minergie-zertifizierten Gebäuden sind nur gerade mal 2'000 sanierte Altbauten. Dies verdeutlicht, dass bei Neubauten Nachhaltigkeit praktisch Standard ist, während bei Altbauten ein riesiger Nachholbedarf besteht – und auch ein enormes Potential. Denn durch die energetische Sanierung des bestehenden Gebäudebestands kann so viel Energie und CO2-Ausstoss eingespart werden, wie sonst nirgends.

Der Energiebedarf Wärme eines bestehenden Gebäudes in der Schweiz liegt im Durchschnitt rund zehnmal höher, als bei einem effizienten neuen Gebäude!

Meistens müssen bei energetischen Sanierungen von bestehenden Gebäuden verschiedene Rahmenbedingungen berücksichtigt werden: So kann zum Beispiel bei einem Altstadthaus nicht einfach eine Gebäudehülle energetisch verbessert, ein Sonnenkollektor oder eine Photovoltaikanlage auf dem Dach platziert oder eine Bauteilaktivierung nachträglich eingebaut werden.

Es ist somit einleuchtend, dass die Wege der Transformation zum emissionsfreien Betrieb der bestehenden Gebäude individuell sein müssen.

Gegenüber den Neubauten braucht es abweichende Ansätze, die der Tatsache Rechnung tragen, dass jedes Gebäude an einem anderen Ort steht, eine andere Nutzung und eine andere architektonische Qualität hat.

Markus Weber zu den Etappen der energetischen Gebäudesanierung

Unter Berücksichtigung der in vielen Fällen gegebenen Rahmenbedingungen sollten die Massnahmen hin zum emissionsfreien Betrieb nicht auf den jeweiligen Gebäude Perimeter beschränkt werden: Die Massnahmen sollen entweder im oder am Gebäude selbst, auf dem Grundstück des Gebäudes oder ausserhalb des Grundstückes erfolgen können. Zudem scheint es erfolgsversprechender, den Fokus beim Gebäudebestand viel mehr auf die CO2 Reduktion und weniger auf den Energieverbrauch zu setzen, da die Massnahmen zur Verbesserung der Wärmedämmung und damit Senkung des Energieverbrauchs bei vielen bestehenden Gebäuden ganz einfach eingeschränkt sind.

Im Weiteren ist der Tatsache Rechnung zu tragen, dass eine Gebäudesanierung in der Regel in Etappen erfolgt. Vielfach wird die erste Massnahme durch den altersbedingten Ersatz der Heizungsanlage eingeleitet. Zu diesem Zeitpunkt sollte der Eigentümer aber genau wissen, in welche Richtung die Reise gehen soll beziehungsweise sollte er den ganzen Weg bis zum Ziel kennen: Für jedes Gebäude sollte damit ein Transformationspfad hin zu einem weitgehend CO2-freien Betrieb definiert werden!

Markus Weber

Markus Weber

Markus Weber ist Elektroingenieur FH/SIA und Betriebsingenieur ISZ/SIB. Er ist CEO der KIWI Systemingenieure und Berater AG, ein Planungsunternehmen im Bereich komplexer interdisziplinärer Gebäudetechnik mit rund 55 Mitarbeitern. Zudem ist er Präsident des SIA Fachvereins Gebäudetechnik und Energie und Vorsitzender der Konferenz der Gebäudetechnik-Verbände.

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