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Neue Chancen für die Geothermie

Publiziert am 18.11.2011 von Kathy Riklin, Nationalrätin Zürich
Geothermie Window

Meinung Die oberflächennahe Nutzung der Erdwärme mittels Wärmepumpen, die sogenannte untiefe oder oberflächennahe Geothermie, ist in der Schweiz bereits weit verbreitet und erfolgreich. Tausende von Wärmepumpenanlagen mit Erdsonden heizen unsere Gebäude und helfen Erdöl einsparen.

Dabei wird eine Erdwärmesonde als vertikaler Wärmetauscher 100 bis 400 Meter abgeteuft, um die Temperaturen von 20 bis 25 Grad Celsius im Erdinnern nutzen zu können. Heute gibt es beinahe 200 000 Wärmepumpenanlagen in der Schweiz, bis 2020 sollen es 400 000 werden. Weitere Informationen dazu finden sich bei der Fachvereinigung Wärmepumpen Schweiz.

Seit dem 11. März 2011, als ein Beben der Stärke 9 in Japan die Erde erschütterte, haben sich die Chancen der geothermische Wärme- aber auch Stromproduktion enorm erhöht. Die energiepolitischen Weichen der Schweiz werden neu gestellt.

Die geothermische Energie weist besondere Vorteile auf, denn sie steht jederzeit und unbegrenzt, unabhängig von Wind, Wetter und Sonneneinstrahlung zur Verfügung.

Neben untiefer Erdwärme hat auch die tiefe geothermale Energie in der Schweiz ein hohes Potenzial. Die Aussicht auf diese unerschöpfliche, saubere und kontinuierliche Energiequelle ist bestechend: Geothermie ist CO2-frei, liefert Bandenergie und braucht wenig Platz. Die Politik muss die finanziellen, gesetzlichen und administrativen Rahmenbedingungen so schaffen, dass Geothermieprojekte effizient realisiert und die Kenntnisse über den Schweizer Untergrund markant verbessert werden können. Wir müssen die Exploration und Erforschung von Standorten für tiefe Geothermie mit seismischen Messungen und Bohrungen rasch vorantreiben. Damit dies möglich ist, muss für die teuren Tiefbohrungen eine praktikable Risikoabdeckung geschaffen werden. Wir wollen möglichst rasch mit dem Bau von Pilot- und Demo-Kraftwerken in der Schweiz beginnen. Weltweit ist das Geothermie-Potenzial riesig, was zudem erlauben würde, Schweizer Know-how und Technologie zu exportieren. Ein nationaler Richtplan soll die für die Tiefengeothermie geeigneten Standorte erfassen. Das erste und wichtigste Ziel ist es nun, bis spätestens 2018 zehn mögliche Standorte für geothermische Anlagen festzulegen. Wir brauchen aber auch allgemeine Richtlinien auf Bundesebene für tiefengeothermische Energie-Projekte, inklusive Überwachung des Risikos induzierter Seismizität.

Zudem muss die nachhaltige Nutzung des Untergrundes in unserem Land geregelt werden, insbesondere zur Sicherstellung der vorhandenen Ressourcen und zur Vermeidung von Nutzungskonflikten. Dies habe ich bereits mit einem Vorstoss im Parlament gefordert. Und last but not least, wir brauchen Geothermie-Lehrstühle an unseren Hochschulen, um die Ausbildung und Forschung zu stärken und die internationale Zusammenarbeit im Forschungsbereich zu intensivieren.

Kathy Riklin

Kathy Riklin

Kathy Riklin, Dr. sc. nat. ETH, Geologin, war 19 Jahre Mitglied des Zürcher Gemeinderates (Präsidentin 2000/01) und ist seit 1999 im Nationalrat. Sie ist Mitglied der Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur WBK (Präsidentin 2006-07) und Mitglied der Aussenpolitischen Kommission APK. Sie ist Präsidentin des Beratenden Organs für Fragen der Klimaänderung OcCC und Präsidentin der SVG (Schweizerische Vereinigung für Geothermie).

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