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Der Schweizer baut solide

Publiziert am 27.10.2011 von Ansgar Gmür, Direktor Hauseigentümerverband Schweiz (HEV)
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Meinung Rund 80% des Gebäudebestandes in der Schweiz wurde vor 1990 gebaut und trotzdem ist der Gebäudepark in einem guten Zustand. Immer wieder erstaunt es, dass Gebäude aus der vorletzten Jahrhundertwende in ihrer Grundsubstanz erhalten und zu modernen Wohnbauten erneuert werden können.

Abgesehen von ein paar Jahren in der Hochkonjunkturphase wurde und wird in der Schweiz solide gebaut. Beinahe für die Ewigkeit.

Mit der guten Bauweise steigen natürlich auch die Ansprüche der Bewohner an einen hochwertig umbauten Raum. Hinzu kommen zahlreiche Vorschriften und Gesetze welche im Bereich Energie, Brandschutz, Absturzsicherheit, Erdbebensicherheit und so weiter zusätzlich für einen hohen Baustandard sorgen. Kein Wunder wird das Bauen in der Schweiz immer teurer. Mit den steigenden Baukosten muss das Produkt auch entsprechend länger halten um eine verträgliche Amortisation der investierten Gelder sicherzustellen. Hieraus wird die gute Bauqualität wieder zum Muss.

Mit knapp 2% liegt die Erneuerungsrate dementsprechend tief. Daraus resultiert eine Lebensdauer von 50 Jahren für unsere Gebäude, was bei der Schweizer Qualität durchaus realistisch ist. So macht es auch keinen Sinn, aus energiepolitischen Überlegungen zu fordern, dass der Gebäudebestand in der Schweiz innerhalb der nächsten 20 Jahre komplett erneuert werden müsste. Die Massnahmen würden unwirtschaftlich und die Bauqualität durch den grossen Zeitdruck der Branche arg leiden.

Durch die gute Qualität und die Verwendung von hochwertigen Baumaterialien werden uns Gebäude auch nach ihrer Lebensdauer noch von Nutzen sein. Bereits heute werden etliche Baumaterialien aufwändig rückgebaut um sie als recycliertes Baumaterial wieder einsetzen zu können. Vor allem ältere Liegenschaften dürften hier gute Rohstofflieferanten werden. Probleme sind jedoch auch in diesem Bereich bei den Bauten der 70er und 80er Jahre zu erwarten. Die Verwendung von Verbundwerkstoffen sowie Kleber und Schäumen erschwert die Materialtrennung und somit die Recyclierbarkeit beim Rückbau. Wird heute neu gebaut, sollte demnach bereits auch die Rückbaubarkeit in die Planung miteinbezogen werden.

Ansgar Gmür

Ansgar Gmür

Ansgar Gmür ist Direktor des Hauseigentümerverbandes Schweiz (HEV Schweiz) und Chefredaktor der Fachzeitung «Der Schweizerische Hauseigentümer». Der HEV Schweiz hat heute rund 318‘000 Mitglieder in 122 Sektionen. Als Direktor des HEV Schweiz setzt sich Ansgar Gmür auf nationaler Ebene für die Interessen der Haus-, Grund- und Stockwerkeigentümer ein.

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