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Mehr Effizienz mit weniger Material

Publiziert am 22.09.2011 von Evelyn C. Frisch, Direktorin Stahlbau Zentrum Schweiz
Metallbau Letzigrund Window

Meinung Die Schweiz verfügt über zwei nachwachsende Baustoffe: Holz und Stahl. Holz wächst bekanntlich vor der Haustüre und Stahl auch. Oder steht vor Ihrer Haustüre etwa kein Auto? Schweizer produzieren, ohne es zu merken, jährlich rund 1.2 Millionen Tonnen Stahlschrott. Und dieser Schrott wird nicht etwa wieder zu Autoblech, sondern zu Baustahl.

Sämtliche in der Schweiz verbauten Stahlprofile bestehen zu 100% aus Recyclingmaterial. Mit der Kampagne Öko-Stahl hat die Stahl- und Metallbaubranche darauf aufmerksam gemacht. Ressourcenschonung und energiearmes Bauen, Wohnen und Arbeiten sind die Prämissen der heutigen Baukultur und innovative Köpfe tüfteln daran, wie man mit immer weniger Material, mehr Effizienz erreicht. Schlanke und leichte Bauteile sparen nämlich Energie, Kosten und Ärger.

Die Leichtbauweise könnte von der Kombination von Holz und Stahl wesentlich mehr profitieren.

Während der Beton bereits vor Jahrzehnten mit industriell vorgefertigten Elementen für eine kostengünstige Bauweise sorgte, hinken der Holz- und Stahlbau dieser Entwicklung hinterher. Beide Bauweisen gelten als kostspieliger und sind deshalb auf dem Schweizer Markt für mehrgeschossige Wohn- und Geschäftshäuser kaum konkurrenzfähig. Dies könnte sich schon bald ändern, wenn innovative Firmen beider Branchen zusammenarbeiten, um eine modulare Bauweise in Holz und Stahl zu entwickeln. Denn Holz und Stahl haben ähnliche und gleichzeitig komplementäre Qualitäten. Eine Holzstütze, welche eine Last von 20 Tonnen trägt, wiegt zum Beispiel nur 60 Kilo, eine ebensolche Stahlstütze ist bei gleichem Gewicht jedoch um ein 10-faches schlanker. Im Vergleich dazu würde eine Betonstütze 300 Kilo wiegen. Es wäre deshalb sinnvoll, die tragenden Elemente, insbesondere in der Vertikalen, in Stahl zu realisieren und die flächigen Elemente wie zum Beispiel Decken und Wände in Holz. Denn Holz hat die einmalige Fähigkeit, gleichzeitig zu tragen und zu isolieren. Seine Oberflächentemperatur liegt in der Regel nur wenig tiefer als die Raumtemperatur. Dies bewirkt eine geringe Wärmeabstrahlung und ist der Grund für das warme Gefühl, welches das Holz vermittelt. Tragelemente aus Stahl haben den Vorteil der extremen Schlankheit bei grosser Tragkraft, einfache Verbindungen und bieten zudem Platz für die Führung von Leitungen, weil sie hohl oder durchlässig sind. Damit können Bauelemente kreiert werden, welche gleichzeitig Leitungen und ganze Klimapakete integrieren.

Der ganz grosse Vorteil der Hybridbauweise in Stahl und Holz ist die einfache Montage und Demontage sowie ihre Wiederverwendbarkeit. Die leichten Bauteile lassen sich mit wenig Aufwand transportieren. Der Stahlbau für das Traggerüst bietet verschraubte Verbindungen, die sich modular erweitern oder verändern lassen. So könnte ein 4-geschossiges Mehrfamilienhaus innerhalb von nur 3 Wochen hochgezogen werden. Und als Occasion würde der Bau auch nach 25 Jahren noch rund einen Viertel seines Investitionswertes einbringen, wenn er anderweitig wieder verwendet werden sollte. Kalkuliert hat dies eine innovative Gruppe von Ökonomen, Stahl- und Holzbau-Unternehmen. Gesucht wird derzeit noch ein Generalunternehmer, der dieses Pilotprojekt realisieren würde. Die Lösung wäre unschlagbar nachhaltig und günstig.

Evelyn C. Frisch

Evelyn C. Frisch

Evelyn C. Frisch ist dipl. Arch. ETH und leitet in ihrer Funktion als Direktorin das Stahlbau Zentrum Schweiz. Das Stahlbau Zentrum Schweiz SZS ist das nationale Kompetenz-Forum für den Stahlbau. Es informiert das Fachpublikum, fördert Forschung, Entwicklung und Zusammenarbeit im Stahlbau und pflegt internationale Verbindungen.

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