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Nachhaltigkeitslabels im Gebäudebereich: Transparenz oder Labelsalat?

Publiziert am 17.08.2011 von Alec von Graffenried, Nationalrat Grüne und Direktor Nachhaltige Entwicklung Losinger Marazzi AG
Label auf der Welt Window

Meinung Für die meisten Investoren bedeutet Nachhaltigkeit beim Bauen schon lange nicht mehr nur «Bauen nach Minergie». Die verschiedenen Minergiestandards berücksichtigen vorallem die Energieaspekte; nur Minergie ECO sprengt diesen Rahmen und fragt auch nach der Ökologie, Wohnhygiene und der Grauen Energie. Für uns sind aber darüberhinaus weitere Umweltaspekte, aber auch die anderen Säulen der Nachhaltigkeit, die wirtschaftlichen und sozialen Aspekte zu berücksichtigen, wie sie der SIA in seiner Empfehlung 112/1 bereits 2004 definiert hat. Moderne Labels wie das Deutsche Gütesiegel für Nachhaltiges Bauen DGNB bewerten alle drei Säulen der Nachhaltigkeit.

Die Bereitschaft, sich mit der Nachhaltigkeit beim Bauen auseinanderzusetzen, wächst.

Im Wettbewerb um Investoren werden Fragen um die Werthaltigkeit der Bauten und die Betriebskosten immer wichtiger. Zahlreiche Marktteilnehmer gehen davon aus, dass nichtzertifizierte Gebäude in der Zukunft mit einem Abschlag gehandelt werden. Der Markt zum Beispiel in den USA hat gezeigt, dass dort zertifizierte Gebäude höhere Mieten und höhere Verkaufspreise erzielen. Investoren bevorzugen für die Vermarktung standardisierte Produkte, sie wollen also nicht bloss nachhaltige Gebäude, sondern zertifizierte Nachhaltigkeit.

Auch unsere eigenen Erfahrungen bei Losinger Marazzi zeigen, dass international agierende Unternehmen zunehmend Flächen in zertifizierten Bauten nachfragen. Nach unserer Auffassung sollte in der Schweiz daher ein moderner Nachhaltigkeitsstandard eingeführt werden, der die bewährten Vorteile von Minergie mit dem umfassenden Ansatz eines Nachhaltigkeitsstandards à la DGNB kombiniert. Es ist zu hoffen, dass das neu geschaffene Netzwerk Nachhaltiges Bauen des Bundes einen solchen Standard etablieren kann, damit die Schweizer Bauindustrie im Nachhaltigen Bauen die Nase vorne behält!

Alec von Graffenried

Alec von Graffenried

Alec von Graffenried, studierter Rechtsanwalt, ist seit 2007 Direktor Nachhaltige Entwicklung bei der Losinger Marazzi AG. Von 2000 bis 2007 war er als Regierungsstatthalter von Bern tätig. 2007 trat er ins Nationalratsamt ein. Seit 2010 ist er Präsident von Bern Tourismus.

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